Im Nationalpark Jasmund

Vor langer Zeit auf Rügen 

An langen Winterabenden haben sich die Einheimischen früher in der Scheune oder an der warmen Kochstelle Sagen und Geschichten über schwarze Frauen und gespenstische Reiter, über Schatzhüter und Nachtjäger, über versunkene Schlösser und Riesensteine erzählt. Über die Entstehung der Insel gibt es eine Schöpfungsgeschichte, die von alten Fischern in Thiessow, dem südlichen Ort auf der Halbinsel Mönchgut erzählt wurde. Diese Fassung hat Heimatforscher Professor Alfred Haas aufgeschrieben, der sein erstes Rügensches Sagenbuch 1891 veröffentlichte.

Als unser Herrgott die Welt schuf und beinahe damit fertig war, stand er eines Abends, so kurz vor Sonnenuntergang, auf der Insel Bornholm und schaute von hier aus zur pommerschen Küste hinüber. Seine große Maurerkelle lag in der Molle, in der aber nur noch ein kleines bisschen Erde übrig war. Als er nun so über das Wasser hinschaute, schien ihm die Küste doch gar zu kahl zu sein. Er nahm den Rest aus der Molle und warf es von Bornholm zur Küste hinüber. So ungefähr eine halbe Meile davor fiel der Klacks ins Wasser. Unser Herrgott fuhr noch mit der Kelle an den Kanten entlang und machte sie nach außen schön glatt und rund. So wurde Rügen am Ende gerade so eine Insel wie all die anderen auch. Inzwischen war die Sonne beinahe ganz untergegangen. Der Herrgott wollte Feierabend machen. Schnell kratzte und schrapte er noch alle Reste zusammen und klackte sie noch an die Insel ran. So entstanden Jasmund und Wittow. Das sah zwar ein bisschen rau und unruhig aus, aber unser Herrgott dachte: „Is Fierabend, un nu lat‘ man so blieven, as ‚t is!“


Die Woorker Berge

In Woorke bei Patzig befindet sich das größte zusammenhängende Hügelgräberfeld Norddeutschlands. Eines Tages soll der Sage nach hier ein Schäferjunge ein silbernes Zwerg-Glöckchen gefunden haben. Das gehörte einem Zwerg, der unter den Bergen lebte. Weil der Zwerg sein Glöckchen so liebte, bot er ihm zum Tausch einen weißen Zauberstab an. Alle Schafe, die mit diesem Stab getrieben wurden, wurden vier Wochen früher fett und trugen zwei Pfund mehr Wolle als andere Herden. Dadurch wurde der Schäfer der reichste Mann auf Rügen und kaufte sich zuletzt das Rittergut Grabitz bei Rambin.

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